Sitzstreik (Stadthund Bernhard Teil 2)

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Fortsetzung  Doggy’s daily social media 

Sein Futternapf blieb seit Tagen unberührt. Bernhard stand vor dem Futterberg und begann zu fressen. Er musste, obwohl er keinen Appetit verspürte. Bernhard hatte den sorgenvollen Blick seines Frauchens bemerkt und wusste, dass sie ihn bald zum Arzt schleppen würde, wenn er nicht bald etwas aß. Dieser Begegnung wollte er lieber aus dem Weg gehen, denn das spitze Picksen in seinem Nacken bei seinem letzten Besuch hatte er nicht vergessen. Furchtbar! Das konnte kein Leckerli der Welt aufwiegen. Zudem war er nicht krank, er war verliebt. Ja geradezu berauscht, benebelt, schwebend. Er konnte an nichts mehr anderes denken, als an Bernadette! Bernadette die hübsche Hundedame von der Karlshöhe. Bernadette, die ihm einen Post auf der Shitterwiese hinterlassen hatte. Bernadette, die auf ihn warten würde. Bernhard musste sie wiedersehen!

Leider gestaltete sich dieses Vorhaben nicht so einfach, wie er es sich erhofft hatte. Bernadette ging immer am Abend mit ihrem Herrchen spazieren. Bernhards Frauchen hingegen bevorzugte die frühen Nachmittage für einen ausgiebigen Spaziergang und einem anschließenden Radler im Biergarten.  Er musste es irgendwie schaffen, zur gleichen Zeit wie Bernadette im Park der Karlshöhe zu sein.

Seit zwei Tagen startete er also das WIR ÄNDERN DIE SPAZIERGANGSZEITEN Programm. Bisher mit mäßigem Erfolg, aber man musste hartnäckig sein um sein Ziel zu erreichen. Bernhards sonderbares Verhalten missfiel zwar seinem Frauchen, aber was sollte passieren? Ein Hundetrainer? Na, vielleicht würde der Bernhards Sorgen verstehen.

Er trat also in einen Sitzstreik. Am Mittag, wenn Frauchen nach der Leine griff um mit ihm Gassi zu gehen, versteckte er sich unter der Couch. Zwar drängte seine Blase darauf geleert zu werden, aber er musste Opfer bringen. Also blieb er unter der Couch liegen, da konnte Frauchen bitten und betteln soviel sie wollte. Er würde nicht klein beigeben. Sie versuchte es mit allen Mitteln, ja sogar mit Wurststückchen, eine wirklich gemeine Nummer. Wurststückchen gab sie sonst nie raus. Sollte sein Plan aufgehen, würde er in Zukunft die Couchmethode gelegentlich zum Ergattern von Leckerbissen nutzen. Jetzt im Moment musste er seinen Kopf wegdrehen, damit er die verlockenden Geruchsmoleküle der Fleischwurst ein wenig eindämmen konnte. Die vergangenen Tage hatte sein Sitzstreik damit geendet, dass sein Frauchen ihn irgendwann aus Verzweiflung an seinem Halsband unter der Couch vorgezogen hatte. Sie war wütend gewesen und Bernhard hatte ein schlechtes Gewissen gehabt. Er wollte sie nicht verärgern und stellte deshalb seinen Streik erst einmal ein. Heute wollte er nicht so schnell aufgeben. Heute gab Frauchen auf. Nachdem sie auf allen Vieren vor der Couch kniend gesäuselt, gebettelt, geschrien und geflucht hatte, setzte sie sich mit einem Seufzer auf die Couch und jammerte „Bernhard mein Kleiner, was ist denn nur los mit dir?“. Sie war traurig, das hörte er, es konnte bestimmt nicht schaden ein wenig an ihrem Knöchel zu schlecken, vielleicht würde sie dann verstehen, dass es nicht ihre Schuld war, dass er unter der Couch lag. Frauchen schniefte und stand auf. Bernhard konnte aufatmen, die direkte Konfrontation nahm vorerst ein Ende. Er hörte wie Frauchen in der Küche telefonierte, sie sprach über ihn. Oje, sie machte sich ernste Sorgen. Er hatte schon einiges an Zeit gewonnen, die Nachmittagssonne warf immer größere Schatten und sie konnten sich langsam auf den Weg machen um rechtzeitig auf der Karlshöhe anzukommen, wenn Bernadette mit ihrem Herrchen erscheinen würde. Bernhard kroch unter der Couch hervor, schüttelte sich den Staub vom Pelz, schlang schnell das Stückchen Fleischwurst vom Couchtisch hinunter, dann schnappte er sich die Leine die Frauchen frustriert neben die Couch gepfeffert hatte und tappte in die Küche. „Ich fasse es nicht, jetzt steht er vor mir mit der Leine im Maul.“, brabbelte Frauchen fassungslos in ihr Telefon. Bernhard hatte sich in der Zwischenzeit gesetzt und blickte sie mit seinem treusten Hundeblick an. Nach ein paar Floskeln legte sie auf, streichelte Bernhard über den Kopf und leinte ihn an. Bernhard triumphierte und bemühte sich heute besonders brav bei Fuß zu laufen.

Holy Dog (Stadthund Bernhard Teil 3)

 

 

 

3 Kommentare zu “Sitzstreik (Stadthund Bernhard Teil 2)

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