Holy Dog (Stadthund Bernhard Teil 3)

HolydogFortsetzung Sitzstreik (Stadthund Bernhard Teil 2)

Die Geruchsdatenbank in der Hundenase brummte auf dem Weg zur Karlshöhe. Bernhard steckte seine Schnauze in die warme Sommerluft und sog jedes noch so kleinste Geruchsmolekül in sich auf. Er konnte riechen, dass Gregor die kleine Bulldogge von nebenan heute sehr miese Laune hatte. Bernhard musste darauf achten, ihm heute besser nicht über den Weg zu laufen, das könnte in einer üblen Auseinandersetzung enden. Gregor war eigentlich ein sehr umgänglicher, geradezu anteilnahmeloser Geselle, aber in schlechter Laune mit Vorsicht zu genießen. Es galt auch Käthe die alte Terrierdame zu umgehen, die ihn bei einer Begegnung mit Sicherheit in eine lange Konversation verwickeln würde, ebenso ihr Frauchen sein Frauchen. Bernhard hatte heute weder Zeit noch Nerven für Ablenkungen dieser Art. Er versuchte mühsam alle Gerüche zu filtern um neben Grillwürstel, Autoabgasen, dem Stuttgarter Feinstaub, Kleinstlebewesen und jeder Menge Markierungen seiner Bekannten aus der Nachbarschaft, den süßen Duft Bernadettes zu entdecken. Heute durfte er sie nicht verpassen.Bernhard tapste den Anstieg zur Karlshöhe artig bei Fuß an der Leine hinauf, als es ihn auf einmal überkam. Seine Ohren spitzten sich, seine Schnurrhaare richteten sich auf, jeder Muskel seines Körpers spannte sich für einen kurzen Moment lang an und der Speichel schoss ihm in die Lefzen. Sie war ganz nah, das wusste er. Bevor Frauchen die Veränderung Bernhards überhaupt registrieren konnte, machte er einen Satz, Frauchen verlor die Leine und er rannte los. Alles um ihn herum war vergessen, es gab nur Bernadette, Bernadette, Bernadette!

Und da war sie, auf der Shitterwiese und schnüffelte an einem Gänseblümchen. Bernhard sprang auf sie zu. Kurz vor ihr bremste er ab, denn er wusste, all zu stürmisch durfte er es nicht angehen lassen. Eine Frau wie Bernadette musste man mit Respekt behandeln und nicht anspringen wie ein wild gewordener Rüde. Er streckte seine Pfoten aus und senkte seinen Kopf vor ihr, um ihr seine Ehrerbietung zu zeigen. So hatte es ihm Onkel Sam der alte Australien Sheppard aus seinem Heimatdorf beigebracht. "Wenn du die Richtige triffst Bernhard, dann behandele sie wie eine Heilige!", und Bernhard war sich sicher, Bernadette war die Richtige. Sie schaute ihn erwartungsvoll an, und wich einen Schritt zurück. Dabei konnte Bernhard ihre funkelnden Augen sehen, im Sonnenlicht sah Bernadette wirklich aus wie eine Marienfigur, welche Bernhard bei den vielen Wanderungen mit Frauchen im Allgäu gesehen hatte. Sie strahlte und Bernhard schleckte sich vor Aufregung über das Maul. Eine Verlegenheitshandlung die ihm sofort peinlich erschien, doch Bernadette kam auf ihn zu. Sie stupste ihn mit ihrer feuchten Nase an den Kopf und hüpfte mit wedelndem Schwanz über die Wiese. Nun gab es für Bernhard kein Halten mehr. Er sprang ihr fröhlich hinterher.

"Du bist so anders Bernhard!", Bernadette blickte ihm über den Wassernapf in die Augen. Nachdem sie einige Zeit über die Wiese gehüpft waren, hatten sich Frauchen und Bernadettes Herrchen dazu entschlossen gemeinsam in den Biergarten zu gehen. Bernhard amüsierte sich leicht über diese besondere Wendung, vielleicht konnte seine Begegnung mit Bernadette auch für sein Frauchen von Vorteil sein. Bernadette und er hatten es sich unter der Bierbank gemütlich gemacht und sein fürsorgliches Frauchen hatte sie mit einem Wassernapf und ein paar Crackern versorgt, gelegentlich landete auch der ein oder andere Wurstzipfel unter den Tisch. Doch, Essen war Bernhard gerade vollkommen egal. Er wollte die Zeit nutzen um Bernadette besser kennenzulernen. Bernadettes Worte brachten ihn komplett aus der Fassung, sie schaute ihm in die Augen. Bernhard schleckte sich über das Maul, Mist schon wieder diese Verlegenheitshandlung, er sammelte sich "Wie meinst du das? Anders?", fragte er. "Naja, du bist so zurückhaltend und höflich. Einfach ganz anders als die anderen Typen hier im Park." Bernhard mampfte nun doch einen Cracker, um seine Verlegenheit zu überspielen. Dann  fasste er seinen ganzen Mut zusammen "Du bist auch ganz anders. Du bist ganz besonders!". Und während Bernadette sich an ihn kuschelte, betete Bernhard das dieser Abend unter der Bierbank nicht so schnell vergehen möge und in seinem Kopf sang er:

"The first, the last, my everything
And the answer to all my dreams
You're my sun, my moon, my guiding star
My kind of wonderful, that's what you are
I know there's only, only one like you
There's no way they could have made two
You're all I'm living for
Your love I'll keep for evermore
You're the first, your the last, my everything"*

*Lyrics: James Brown/ You are my everything

4 Kommentare zu “Holy Dog (Stadthund Bernhard Teil 3)

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