REAL TALK: Da fehlen mir die Worte!

Ein junges Mädchen ca. 13 Jahre sitzt im Bus, neben ihr ist der Fensterplatz frei. An der nächsten Haltestelle steigt eine ältere Frau mit einer Einkaufstasche ein. Der Bus ist voll, das Mädchen steht auf, um der Frau den Weg zu dem Platz neben ihr freizumachen. Die Frau setzt sich hin, das Mädchen möchte sich wieder neben sie setzen, doch die ältere Dame nickt kurz abweisend mit dem Kopf und stellt ihre Einkaufstasche auf den ehemals Sitzplatz des jungen Mädchens. Das Mädchen schaut mich an, ich schau das Mädchen an. Wir sind beide sprachlos über dieses Verhalten. Schlicht und ergreifend fehlen uns die Worte. Als ich kurz darauf aussteige bin ich immer noch wütend über diese Dreistigkeit, so schwer war die Tasche der Frau nicht, sie hätte sie einfach auf den Schoß nehmen können. Ich bin wütend über das Verhalten der Frau und wütend über mich selbst, da ich nichts gesagt habe. Als ich nach dem Aussteigen vor mich hinstapfe, fallen mir tausende Aussagen ein, mit denen ich die Frau höflich, aber bestimmt auf ihr Verhalten hätte ansprechen können. Verdammt, warum haben mir nur in der Situation die Worte gefehlt?

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Die passenden Worte zu finden ist nicht immer einfach.

Unangemessenes, unvorhersehbares Verhalten irritiert

Bestimmt kennt ihr das Gefühl der Sprachlosigkeit ebenfalls. Mein kleines Eingangsbeispiel war nun wirklich harmlos, aber trotzdem hat es mich so nachhaltig beschäftigt, dass ich es hier in meinem Blogpost aufgreife. Und jeder von euch kennt bestimmt 100 weitere solcher Situationen, in denen andere Menschen einen so mit ihrem Verhalten irritiert haben, dass einem die passenden Worte gefehlt haben. Sei es der dreiste Autofahrer, der hinter einem in die Parklücke einschert, auf die man brav blinkend gewartet hat, oder die Person die sich unverschämt an der Kasse vordrängelt, als hätte sie einen VIP-Supermarktausweis. Und jeder kennt die Wut, die sich dann im Nachhinein im Bauch entwickelt und in einen kurzen Selbsthass übergeht, weil man sich das hat kommentarlos gefallen lassen.

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Einfach mal aus der Rolle fallen und das Idioten-ABC aufrufen?!?

Natürlich finden solche Erlebnisse nicht nur mit Fremden, sondern auch mit Personen im näheren Bekannten- und/oder Verwandtenkreis statt. Alle haben sie etwas gemeinsam, wir verstummen, weil wir mit einer solchen Reaktion oder Handlung nicht gerechnet hätten. Weil wir es selber nicht so gemacht hätten? Weil man sich so nicht benimmt? Was hindert uns denn dann daran auch mal aus unserer Rolle zu fallen und den Herrschaften die Meinung zu geigen?

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Natürlich fallen wir nicht aus der Rolle und beschimpfen die andere Person wie ein wildgewordener tasmanischer Teufel. Schließlich sind wir ja über das Fehlverhalten des Übeltäters verärgert und möchten uns nicht auf die vermeintlich selbe Stufe stellen. Nun können wir uns aber auch nicht die passenden Worte aus dem Hut zaubern, schließlich sind wir ja sprachlos. Im Nachhinein basteln wir uns unsere wunderbaren verbalen Ausführungen immer perfekt zusammen und stellen uns vor dem inneren Auge vor, wie wir sie dem Gegenüber mit einer nonchalance entgegen schmettern und heroisch von dannen ziehen. Tataaaa…In your face! Leider ist das FACE in dem Moment nicht mehr da und unsere Abrechnung bleibt ein Gedankenkonstrukt.

Selbst bei Menschen die wir kennen, hat es nicht mehr den gleichen Effekt, Tage später das vermeintliche Fehlverhalten anzuprangern. Wir sollten also sofort handeln!

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Leider fehlt in den entscheidenden Situationen der Zauberhut.

Stell den Übeltäter zur Rede!

Ein Paradebeispiel, wie man in solchen Situationen die Oberhand gewinnt und trotz fehlender Worte sein Gegenüber zur Rede stellt, hat mir eine Freundin gezeigt. Wir saßen gemeinsam im Auto, sie wollte in eine Parklücke auf einem Freibadparkplatz einparken. Leider hatte sie sich etwas im Winkel verschätzt und musste nochmals zurücksetzen. Hinter ihr stand ganz eng ein älterer Herr in seinem dicken, fetten Cabrio. Er machte keine Anstalten sein Auto ein Stück zurückzusetzen. Nein, im Gegenteil, er gestikulierte wie ein Irrer und schrie mehrfach „blöde Kuh“. Meine Freundin gurkte also in die Parklücke, was ihr wohl mit etwas mehr Platz nach hinten etwas leichter gefallen wäre. Als wir bei der Freibadkasse ankamen, stand Mr. Superwichtig-ich-bewege-meine-Karre-keinen-Meter schon in der Schlange. Und dann kam der Auftritt meiner Freundin, sie ging zu dem Herren, der bestimmt zwei Köpfe größer war als sie, stemmte ihre Arme in die Seiten und sagte: „War das jetzt nötig, dass sie mich blöde Kuh genannt haben?“. Das sagte sie ganz ruhig, aber so laut, das alle in der Schlange es hören konnten. Damit hatte sie es geschafft! Er war sprachlos! Er stammelte vor sich hin und bekam mühsam ein „Entschuldigung“ heraus. Das ist es, was es braucht! Keine großen Worte! Keine moralische Abhandlung! Sondern nur die Frage, was das eigentlich soll. Das was wir in unserer Irritation fühlen, genau das müssen wir aussprechen und dann ist unser Gegenüber im Rechtfertigungszwang. Vier Worte:

Warum tun Sie das?

3 Kommentare zu “REAL TALK: Da fehlen mir die Worte!

  1. Du sprichts aus meinem Herzen, mir geht das auch immer so, dass mir einfach nicht die richtigen Worte einfallen. Im Nachhinein fällt mir immer vieles ein, dann ärgere ich mich noch mehr. Die andere Situation ist, dass ich oft laut werde wenn mich was aufregt, dann bin ich aber wieder unzufrieden mit mir. Da ich es gerne sachlich und ruhig regeln möchte , wenn mich was ärgert oder ich sprachlos bin.

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  2. Ja, ich glaube das kennt jeder. Diese Schockstarre und der „das-hat-die/der-jetzt-nicht-wirklich-gesagt/getan“ Gesichtsausdruck!
    10 Minuten später fallen einem 100 Dinge ein, die man der Person um die Ohren hätte klatschen können.

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  3. Pingback: Monatsrückblick: September | GUTE MINE

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